Streit um den Synagogenbau im Waldstraßenviertel

Anwohner klagen gegen den Bau eines jüdischen Gemeindezentrums im Waldstraßenviertel. Sie argumentieren, der Bau eines solchen Zentrums stelle ein Sicherheitsrisiko sowie eine Wertminderung für ihr Eigentum dar.

Seit dem Jahr 2002 plant die israelitische Religionsgemeinde Leipzig den Neubau eines Gemeindezentrums mit integrierter Synagoge im Ariowitsch-Haus. Das Haus ist ein ehemaliges jüdisches Altenheim und wurde nach der Zwangsräumung in der Nazizeit bis in die 90er Jahre als städtisches Seniorenwohnheim genutzt. Seit 1996 steht es leer und wurde der Israelitischen Gemeinde Leipzigs zurück übertragen. Diese wuchs in den letzten Jahren stark an, so dass größere Räumlichkeiten benötigt wurden.

Daher stellte sie einen Bauantrag zum Umbau des Ariowitsch-Haus. Die Baupläne sehen einen unterirdischen Versammlungs- und Synagogenraum vor. Das gesamte Projekt kostet etwa vier Millionen Euro. Davon übernehmen die Stadt Leipzig und das Land Sachen den größten Teil, 800.000 muss die jüdische Gemeinde selbst tragen, wovon sie schon 200.000 erbracht hat.

Der Bauantrag wurde trotz Widersprüchen der Anwohner genehmigt, welche daraufhin Klage gegen die Baugenehmigung erhoben. Doris Benner, Vorstandsmitglied des Fördervereins für den Synagogenbau, sagte hierzu: „offenbar befürchten die Anwohner einen Wertverlust ihrer Objekte durch religiöse Nutzung nebenan“. Außerdem wird in der Klageschrift argumentiert, dass die Sicherheit der Anwohner nicht mehr gewährleistet werden könne, wenn sich in der Nachbarschaft eine jüdische Gemeinde befände. Die Klagen bedrohen nun unabhängig vom Ausgang des Verfahrens das gesamte Projekt. Denn ein Großteil der zugesagten Förderungen verfallen, wenn nicht bis Ende 2004 mit dem Bau begonnen wird. Ob die Klage bis dahin schon entschieden ist, erscheint aber ungewiss.

Die jüdische Gemeinde Leipzig äußerte sich zu den Anklagen nicht. Ebenso wenig berichtete die Leipziger Lokalpresse über den Streit. Erst der Leipziger Pfarrer Christian Wolff machte die Sache öffentlich. Wolff wirft den Klägern vor, sich mit ihren Argumentationen in der „trüben Tradition des Antisemitismus“ zu bewegen. Es sei ein Unding, Juden als Sicherheitsrisiko zu bezeichnen, nur weil deren Einrichtungen vor möglichen Angriffen geschützt werden müssten. Reaktionen auf die öffentliche Kritik gab es nur in den überregionalen Medien und vom „Bürgerverein Waldstraßenviertel“. Dieser kritisierte die öffentliche Stellungnahme des Pfarrers.

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Kommentar

Hier werden Opfer zu Tätern gemacht. Nicht die jüdische Gemeinde ist das Sicherheitsrisiko, sondern die antisemitischen Schläger! Auch die Förderung des Neubaus durch Stadt und Land ist zu begrüßen, profitieren sie doch bis heute von den illegalen Enteignungen jüdischen Eigentums in der Nazizeit. Das beste Beispiel ist das Haus Ariowitsch selbst. Es wurde in der Nazizeit enteignet und diente der Stadt Leipzig bis in die 90er Jahre als Seniorenwohnheim. Stadt und Land haben sich bei den bisherigen Planungen als sehr kooperativ erwiesen. Um so erstaunlicher erscheint da die deutliche Zurückhaltung der Lokalpolitik, was die jetzigen Klagen betrifft. Auffällig ist auch das Schweigen der LVZ und anderer Lokalmedien zum Thema. Wo ein klarer Aufschrei nötig wäre, herrscht gähnende Leere. Will man sich die Chancen für die Olympiabewerbung durch eine öffentliche Antisemitismusdebatte nicht noch weiter erschweren? Hat hier der lokalpatriotische Mief gesiegt?

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