Archiv der Kategorie: Feierabend! #30

Editorial FA! #30

Endlich ist die #30 von der Werkbank auf die Straße gerollt. Aufgepimpt mit CD-Beilage, poppt und punkt es in der Kiste mit „Geräuschen aus dem Postfordimus“. Für die Jubiläums­ausgabe haben unsere Musikredakteure in nervenaufreibender Kleinstarbeit 16 politisch-subversive Bands und Inter­pre­ten aus der Region für ein musikalisches Schmankerl gewonnen. Ergänzend dazu haben wir diesen Schwerpunkt (Seite 18-25) mit historischen Hintergründen „tiefergelegt“.

Auffällig und „untypisch“ für den Feier­abend! ist diesmal sowohl das Themen­gebiet, als auch die prallen 36 Seiten dieser Jubiläumsausgabe.

Weil Freude an subvisionärer Musik und Abwehr von Überwachungswahn aber oftmals Hand in Hand gehen, findet Ihr diesmal auch einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen zum Daten­schutz (Seite 1,13-17) sowie praktische Tipps zur Sicherheit im Netz (Seite 28f).

Diesmal leider zu kurz gekommen ist trotz langwierigem Diskussionsprozess die Pro/Contra-Rubrik. Wir arbeiten aber weiter an unseren Widersprüchen ;). Alte Muster und Rubriken finden sich im vorliegenden Heft kaum und auch der Produktions­prozess war der bisher (ungewollt) längste, was diese Ausgabe in mehrfacher Hinsicht special macht. Zumindest sind wir in unserem Bemühen, die Länge der einzel­nen Beiträge nicht allzu auszudehnen, erfolgreicher gewesen. So ist hoffentlich anhaltender Genuss mindestens bis zum nächsten Feierabend! garantiert. Auch wenn´s mal wieder länger dauert.

P.S. Unsere Verkaufsstelle „Shahia“ feiert übrigens demnächst ebenfalls Jubiläum und ist uns nun auch schon über fünf Jahre treu. Grund genug, sie wie schon damals in Heft #4 zur Verkaufsstelle des Monats zu küren. Weiter so!

Viel Spaß beim Lesen,

Eure Feierabend!-Redaktion

Heraus zum Sturm aufs „Große Haus“!

Der gemeine Demokratiefan hierzulande verhält sich zur Sub­ven­tion wie der gemeine Schlaraffe zum fliegenden Brathuhn. Bei­­­den ist selbstverständlich, die Quelle all ihres Glücks und Leidens nicht zu erforschen, sondern stattdessen entweder träge dahinzu­düm­peln oder mit aufgeplusterten Backen zu motzen. Und beiden Hal­tungen ist gleich, dass sie einzig an die „unsichtbare Hand“ ei­nes überirdischen Gönners, ob nun Gott, Staat oder ewigen Koch al­ler Köche, glauben wollen. Ähnlich in Leipzig: Da wundert sich der kulturbegeisterte Bürger doch tatsächlich, dass die Stadtver­wal­­tung unter dem Eindruck des allgemein schrumpfenden Staates, Fehl­investitionen, Korruption und der Schuldenbelastung im ge­gen­­wär­tigen Haushalt die sogenannte „Freie Kulturszene“ nur mit we­nig Geldern beschenken will, während der Hauptteil des Kuchens an die großen Bühnen geht. Als wäre es je im Interesse der Verwal­tung gewesen, die „subkulturellen Sümpfe“ jenseits des Zentrums ernst­­haft zu fördern. Klar, wer hätte nicht gern einen Goldesel in der Garage, aber Spott bei­seite, angesichts der sich anbahnenden öko­­logischen Kata­strophen, der geostrategischen Konflikte und wirt­schaftlichen Krisen, ist das Herbeigerede einer Wetterlage, die puren Geldregen brächte, mehr als illusorisch. Das heißt nicht, dass sich alle verkriechen und wir jetzt fortan Kultur hinten anstel­len sollen oder uns diese nicht mehr leisten. Im Gegenteil! Kultur bie­tet genau jenen Raum, wo mit neuen Ideen, Entwürfen und Prak­tiken experimentiert werden kann, sie bleibt ein unerläss­licher Kreativmotor einer lebendigen Gemeinschaft der Men­schen. Und ohne diese, vielmehr als ohne das große Geld, werden wir für die Zukunft schlecht aufgestellt sein. Solidarität und ver­stärkte Bündnisarbeit zwischen großen und kleinen Bühnen und mit der Off-Szene bis hin zum aktiven Zuschauer, das ist das Ge­bot der Stunde. Und es gibt hierfür auch konkret eine Chance, denn wer die „ganze Szene“ im Auge hat, dem wird bereits aufge­fal­len sein, dass die Intendanz am Leipziger Schauspielhaus zur nächsten Spielzeit wechselt. Der Neue heißt Sebastian Hartmann und kommt von der Volksbühne Berlin. Es wird viel umstruktu­riert dieser Tage. Schenkt man den ersten Verlautbarungen Glau­ben, soll das Haus sich weiter öffnen und mehr an Willen /Be­­­dürf­­nissen des Umfeldes orientieren. Die Neue Szene voll­zieht nicht nur einen Namenswechsel zur Skala, sondern soll auch in­haltlich eher eine halböffentliche Experimentierbühne wer­den. In der Spinnerei dagegen entsteht ein festes theater­pä­da­gogisches La­bor namens Spinnwerk. Deshalb meine Empfehlung zum Schluss: Kulturleute die­ser Stadt, macht Euch auf und stürmt die Große Bühne des neuen Centraltheaters, anstatt Euch vom müden Palaver der Stadtoberen ein­schläfern zu lassen!

(clov)