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Künstlerische Okkupation

celebration* occupation* exhibition*

Am 7. Mai 2010 fand die erste Ausstellung der c*o*e in Connewitz statt. Hier trafen sich Künstler_innen aus den Bereichen Streetart, Urban Art und Graffiti, um ein ungenutztes Wohnhaus einen Abend lang in eine Galerie zu verwandeln. Die Umnutzung und Widmung des Raums als temporäre Kunstfläche war natürlich nicht für jeden verständlich und so gab es am ersten Abend gleich zwei Störungen durch Polizeikräfte.

Die Idee der c*o*e* ist entstanden am Graffiti-Stammtisch Connewitz, einem regelmäßigen Treffen von Künstler_innen und Interessierten der Urban Intervention Art. Um als Streetart-Künstler_in oder Wandmaler_in der Kriminalisierung zu entgehen, werden vorrangig Brachflächen und Abrisshäuser gesucht, in denen sich noch frei bewegt und gestaltet werden kann. Dies wollen wir gemeinschaftlich tun. Wir wollen der Repression gegen Künstler_innen und Nutzer_innen urbaner Flächen ein Selbstbewusstsein entgegensetzen und kollektiv handeln gegen unsere Unsicherheit und Angst über die Unveränderbarkeit der Verhältnisse.

Die celebration* occupation* exhibition* ist die Idee einer Ausstellung, also eine Sammlung zeitgenössischer Kunst, in Bezug zu ungenutzten städtischen Flächen in Leipzig. Diese Orte werden temporär der Kunst gewidmet; und alle Teilnehmer- und Besucher_innen sind aufgefordert, aktiv auf diesen Raum einzuwirken. Hier treffen verschiedenste Ausdrucksformen der Urban Intervention Art, z.b. Graffiti, Muralismo, Streetart, Theater aufeinander, um in spielerischer Aktion freie Flächen zu gestalten. Es begegnen sich Menschen aus verschiedensten Zusammenhängen, um gemeinsam ein Stück Weg zu gehen, das Leben selbst als einziges Ziel. Erschaffen, gestalten und zerstören. Hier fällt es immer wieder schwer, einen Zeitpunkt einer feierlichen Eröffnung für Konsument_innen dieser Kunst zu finden, da der künstlerische Prozess innerhalb weniger Stunden voranschreitet und sich z.B. ein Wandbild, sowie die Gruppe selbst verändert. Der Wille zur Veränderung ist ganz wesentlich für Künstler_innen aus Urban Art und Graffitikultur; der mehrfache Eingriff in den öffentlichen Raum und die daraus entstehende Kommunikation, das Eindringen in die immergleichen Abläufe der Alltagswelt markiert den Moment der Infragestellung als unveränderbar angenommene Verhältnisse und die Vorstellung etwa vom Ende kapitalistischer Vergesellschaftung. Die celebration* occupation* exhibition ist eine Situation, in der versucht wird, dieses Ende bzw. einen Anfang vor zu denken. Die Akteure verbinden ihre Gedanken, Bilder und Lebensentwürfe;  die inneren Auseinandersetzungen werden spielerisch in einer freien Umgebung ausgetragen. Bedürfnisse sollen erfahrbar werden. Mit dem Ziel, die Grenzen um Kunst und Politik zu sprengen, ist jeder Besucher der Ausstellung der Selbstverwirklichung und der Teilnahme am Leben verpflichtet, sodass der Kunstkonsument am Ende das einzige Kunstwerk bleibt.

(ein beteiligter)